15 Okt. Kirgistan
Wilde Pferde, endlose Berge und wachsender Tourismus
Ein eisiger Start in ein neues Land
Als wir endlich in Kirgistan ankamen, erwartete uns eine beeindruckende Kulisse. Gewaltige Berggipfel, Yaks an den kargen Hängen, neugierige Murmeltiere und riesige Adler, die über uns ihre Kreise zogen. Doch bevor wir den langen Tag verdient beenden konnten, mussten wir noch einige Hundert Höhenmeter überwinden. Schwere Lastwagen donnerten dicht an uns vorbei, während Wind und Kälte uns ordentlich zusetzten. Selbst in unseren dicken Fäustlingen wurden die Finger langsam taub.
Irgendwann fanden wir eine halbwegs ebene Wiese für unser Zelt. Kaum stand es, begann es in Strömen zu regnen. Schnell verkrochen wir uns mit unserer Brotzeit und allen zusätzlichen Kleidungsschichten in die Schlafsäcke. Draußen sank die Temperatur wieder gegen null Grad. Ein ziemlich frostiger erster Abend in Kirgistan.
Am nächsten Morgen waren unsere Fahrräder leicht angefroren und selbst unser Wasser teilweise zu Eis geworden. Auch Schuhe und Handschuhe waren vom Regen noch feucht. Zum Glück kämpfte sich die Sonne langsam durch und wärmte unser Zelt auf.
Hagel, Gegenwind und eine lange Abfahrt nach Osh
Nach den vielen Anstiegen freuten wir uns eigentlich auf eine erste entspannte Abfahrt, doch der heftige Gegenwind machte uns einen Strich durch die Rechnung. Wir traten kräftig in die Pedale und kamen gefühlt trotzdem kaum voran.
Immer wieder zog schlechtes Wetter auf. Einmal verdunkelte sich der Himmel innerhalb kürzester Zeit und wir gerieten in ein Gewitter mit Regen und Hagel. Ein Kiosk wollte uns keinen Unterschlupf gewähren, also kämpften wir uns weiter bis zu einer Bushaltestelle. Als der Regen etwas nachließ, schlüpften wir in unsere Regenkleidung und fuhren frierend weiter zu einem Restaurant.
Dort hofften wir auf etwas Vegetarisches, bekamen aber wie so oft Eier, Salami und Brot. Nach diesem anstrengenden Tag schmeckte es trotzdem hervorragend. Außerdem konnten wir unsere Akkus aufladen und hatten nach Wochen in Tadschikistan endlich wieder richtig Internet.
Kurz vor dem Ende unseres vorerst letzten Passes kam es zu einer unangenehmen Begegnung. Ein junger Mann verfolgte Nora, machte sexuelle Gesten und hielt sich an ihren Fahrradtaschen fest. Als sie ihn anschrie, verschwand er hinter einer Mauer. Simon, der weiter hinten gefahren war und erst später davon erfuhr, versuchte noch, sich den Mann zu schnappen, doch als er ihn zur Rede stellen will läuft er schnell davon. Solche Begegnungen hinterlassen Wut und ein Gefühl der Ohnmacht. Gleichzeitig wird uns bewusst, wie wertvoll es ist, zu zweit unterwegs zu sein.
Danach ging es endlich lange bergab. Rund 70 Kilometer lagen noch vor uns und wir rollten weiter Richtung Osh. Auf einem Feld neben der Straße schlugen wir unser Zelt auf. Bald kamen zwei Kinder auf Eseln angeritten und holten weitere Freunde dazu. Ehe wir uns versahen, waren wir von neugierigen Kindern und ihren Tieren umringt.
Sie wollten alles sehen, unsere Fahrräder, die Taschen, das Zelt und unseren kleinen Kocher. Sie halfen uns beim Zeltaufbau, schauten begeistert zu, wie wir kochten und wir spielten noch eine Runde Fußball zusammen. Natürlich durfte auch ein Ritt auf einem Esel nicht fehlen.
Es war eine dieser Begegnungen, die uns zum Lachen brachten, aber auch einiges an Energie kosteten. Die Kinder waren unglaublich neugierig und voller Begeisterung. Sie probierten unsere Chips, machten unzählige Fotos und erkundeten sogar unser Zelt. Wir konnten gut verstehen, dass unser Besuch für sie etwas Besonderes war und sie möglichst viel mit uns erleben wollten. Gleichzeitig merkten wir nach einem langen Tag im Sattel, dass auch unsere Energie irgendwann aufgebraucht war und wir uns nach etwas Ruhe sehnten. Später kamen noch ältere Jugendliche dazu, machten Musik an und wollten mit uns tanzen. Natürlich alles mit Fahrradhelm und Brille auf dem Kopf. Eine ziemlich absurde, aber umso lustigere Situation!
Am nächsten Morgen waren die Kinder wieder da und beobachteten neugierig, wie wir unser Lager zusammenpackten. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, schwangen wir uns wieder auf die Räder und machten uns auf den Weg nach Osh.
Zwei Tage Pause in Osh
Nach den anstrengenden Tagen freuten wir uns über zwei Nächte in einem gemütlichen Gästehaus. Endlich konnten wir duschen, Wäsche waschen, am Blog schreiben und uns etwas ausruhen. Dazu gab es viel gutes Essen und einen Filmabend.
Außerdem trafen wir Cecile, Kerstin und Rupert wieder. Wir verbrachten einen schönen Abend bei Burgern, Bier und Eis, bevor Kerstin und Rupert zurück nach Salzburg fuhren. Nach zwei Tagen Pause hieß es für uns wieder Taschen packen und weiter aufs Rad.
Raus aus der Stadt. endlich wieder Kirgistan, wie wir es uns vorgestellt hatten
Die ersten Kilometer aus Osh waren ziemlich chaotisch. Viel Verkehr, laute Straßen, Menschenmassen und Probleme beim Geldabheben sorgten dafür, dass wir beide schnell gestresst waren. Irgendwann setzten wir uns einfach vor einen Supermarkt und gingen so oft hinein, bis wir endlich satt waren. Auf dem Fahrrad kann Hunger die Stimmung erstaunlich schnell kippen lassen und außerdem gibt es kaum etwas Schöneres, als erschöpft vor einem Supermarkt zu sitzen und sich den Bauch vollzuschlagen.
Wir beschlossen, den Tag früh zu beenden und suchten einen Schlafplatz. Auf einer Wiese zwischen grasenden Eseln durften wir unser Zelt aufstellen, während Einheimische immer wieder auf ihren Pferden im Galopp vorbeiritten. Kurz darauf kamen ein paar Kinder vorbei und schenkten uns eine Wassermelone. Am nächsten Morgen brachten sie sogar noch eine zweite. Eine unglaublich liebe Geste, nur standen wir nun vor der Frage, wie wir zwei Wassermelonen in so kurzer Zeit essen sollten. Also wanderte, wie so oft, eine davon in unsere Fahrradtaschen.
In den folgenden Tagen wurde Kirgistan langsam so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Sobald wir die größeren Orte und asphaltierten Straßen hinter uns ließen, wurde es ruhiger. Die Straßen verwandelten sich in Schotterpisten, und wir waren oft komplett allein unterwegs.
Wir fuhren durch weite Täler, vorbei an Flüssen und über steile Anstiege. Riesige Herden von Pferden, Kühen, Schafen und Ziegen grasten auf den Wiesen, während Hirten auf Pferden ihre Tiere zusammentrieben. Dazwischen standen kleine Häuser und bunte Jurten, und über den Bergen zogen Wolken entlang.
Die Gravel-Abschnitte hatten es allerdings in sich. Manche Anstiege waren steil, und einzelne Autos rasten mit Vollgas an uns vorbei und hüllten uns in dicke Staubwolken. Dafür gehörten die Straßen oft stundenlang fast nur uns.
Eines Abends fanden wir einen Schlafplatz direkt am Fluss neben einer Brücke. Unser Zelt stand in weniger als drei Minuten und nur zwei Minuten später war auch unser Bett fertig. Aus Neugier hatten wir diesmal die Zeit gestoppt. Wenn man jeden Abend sein Zuhause aufbaut und am nächsten Morgen wieder abbaut, wird man mit der Zeit erstaunlich effizient!
Pferde, Hirten und eine Landschaft wie aus einem Film
Einer der schönsten Abschnitte führte uns über einsame Gravel-Pässe. Schon am Morgen ging es mehrere Hundert Höhenmeter bergauf. Die Anstiege zogen sich und die wenigen Autos wirbelten immer wieder Staub auf. Oben wurden wir dafür mit einer beeindruckenden Landschaft belohnt.
Überall standen Pferde und Kühe auf den Wiesen, riesige Herden von Schafen und Ziegen zogen durch die Täler. Manchmal sahen wir stundenlang keinen Menschen. Die Berge waren bunt und schroff und erinnerten uns an die wilden Gegenden, die wir zuvor in Tadschikistan erlebt hatten.
Oben entdeckten wir sogar ein Schild, das vor Bären und Schneeleoparden warnte. Kurz darauf tauchte ein kleines Dorf auf. Junge Männer ritten durch die Gegend und trieben ihre Tiere zusammen. Es beeindruckte uns immer wieder, wie selbstverständlich Pferde hier zum Alltag gehören. Während Kinder bei uns oft mit dem Fahrrad unterwegs sind, reiten hier schon die Jüngeren auf Eseln oder Pferden.
Auch unterwegs begegneten wir immer wieder Kindern, die neugierig auf uns zukamen, winkten oder unsere Fahrräder anschauen wollten. Allerdings waren nicht alle Begegnungen so unbeschwert.
Einmal liefen zwei kleine Jungen mit selbstgebauten Steinschleudern auf uns zu. Simon deutete ihnen, dass sie nicht schießen sollten. Trotzdem flog wenige Sekunden später ein Stein mit voller Wucht nur wenige Zentimeter an seinem Auge vorbei. Er drehte um und schrie die beiden an, doch sie rannten davon und verschwanden in einem Innenhof.
Die meisten Menschen waren allerdings super freundlich und einfach nur neugierig.
Der Weg zum Son-Kul-See
Unser nächstes Ziel war der Son-Kul-See. Schon der Weg dorthin war landschaftlich wunderschön. Wir radelten durch weite Täler, über holprige Schotterpisten und steile Anstiege, bis schließlich der Moldo-Pass vor uns lag. Unterwegs wurden wir von einigen Arbeitern zum Essen eingeladen, was für eine schöne Überraschung. Anschließend haben wir hier gleich unser Zelt für die Nacht aufgebaut.
Am nächsten Morgen standen noch etwa 900 Höhenmeter bis zum See an. Oben am Pass trafen wir drei Australier, die ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs waren. Sie waren ungefähr zwischen 55 und 60 Jahre alt und boten uns direkt frischen Kaffee an. Wir verstanden uns wahnsinnig gut, lachten viel und tauschten Kontakte aus. Jetzt müssen wir wohl irgendwann noch einmal nach Sydney, um sie zu besuchen.
Hinter dem Pass öffnete sich die Landschaft und wir rollten an weiten Wiesen, Pferdeherden und Jurten vorbei in Richtung See. Wir hatten mit vielen Touristen gerechnet, doch es war erstaunlich ruhig. Ab und zu ritten Männer über die Wiesen, ansonsten waren kaum Menschen zu sehen. Das liegt wohl daran, dass sich die Saison dem Ende zuneigt.
Allerdings gingen uns langsam die Essensvorräte aus und auch das Benzin für unseren Kocher wurde knapp. Ein kleiner Laden war geschlossen, und auch ein Reiter konnte uns nicht sagen, wo der Besitzer steckte. Also machten wir uns mit unserem letzten Snickers im Gepäck weiter auf die Suche nach einer Lösung.
Schließlich entdeckten wir ein kleines Jurtenlager. Da wir Kirgistan natürlich nicht verlassen konnten, ohne jemals in einer Jurte geschlafen zu haben, kam uns das gerade recht! Außerdem zog das Wetter langsam zu, sodass sich die Gelegenheit perfekt ergab.
Für 25 Euro pro Person bekamen wir Abendessen, Frühstück und eine Nacht in einer Jurte. Unser Gastgeber warf den Grill an und bereitete ein leckeres Barbecue zu. Später gab es noch eine Suppe, einen ganzen Teller Kekse zum Nachtisch und dazu eine große Flasche Bier. Was will man mehr?
Alles war einfach gehalten, aber genau das machte den Ort so besonders. Wir saßen gemütlich in der Jurte, umgeben von weiteren Jurten und schlichten Steinhäusern. Später gesellten sich noch zwei Belgier zu uns, mit denen wir einen richtig netten Abend verbrachten.
Die Nacht wurde allerdings ziemlich kalt. Der kleine Ofen brachte kaum Wärme. So waren wir am nächsten Morgen früh wach. Während Nora noch ein Stück Richtung See spazierte, genoss Simon mit einem Buch die Morgensonne vor der Jurte. Zum Frühstück gab es Brot und Kekse, von denen wir ordentlich zulangten, schließlich wussten wir, dass uns auf der nächsten Etappe mehrere Stunden lang kein Laden erwarten würde.
Wenn die Lebensmittel ausgehen
Der Son-Kul-See war wunderschön, doch die Versorgung blieb eine Herausforderung. Wir fuhren rund 30 Kilometer am Ufer entlang, bevor es über einen weiteren Pass zurück zur Hauptstraße ging. Die Landschaft war weit und offen, mit vereinzelten Häusern, Pferden und Hunden. Menschen begegneten uns nur selten.
Immer wieder fragten wir bei Jurten nach Benzin für unseren Kocher, leider ohne Erfolg. Auch etwas zu essen war nicht aufzutreiben. Dazu kamen die vielen Schlaglöcher, denen wir ständig ausweichen mussten, während unser Hunger immer größer wurde.
Nach etwa vier Stunden im Sattel erreichten wir endlich ein kleines Dorf. Wir kauften Brot und weitere Lebensmittel und machten direkt vor dem Laden eine Pause. Dort bereiteten wir uns Eier zu und füllten endlich unsere Energiereserven wieder auf, was für eine Erleichterung!
Nach der Pause ging es wieder bergauf, bis wir die asphaltierte Hauptstraße erreichten. Von dort rollten wir hauptsächlich bergab. Nach den vielen Schotterkilometern fühlte es sich großartig an, endlich wieder schneller voranzukommen und das Highlight war eine riesige Herde an Kamelen, die plötzlich aus dem Nichts vor uns standen.
Am Abend fanden wir einen schönen Schlafplatz direkt an einem Fluss. Wir tranken unser Bier, genossen die Ruhe und waren einfach froh, den Tag geschafft zu haben.
Issyk-Kul – ein wunderschöner See und eine riesige Baustelle
Nach weiteren Etappen näherten wir uns dem Issyk-Kul-See. Das Wasser wirkt stellenweise wie das Meer, während sich auf der anderen Seite schroffe Berge erheben. Als wir ankamen, sprangen wir erst einmal kurz ins Wasser, bevor wir am Ufer entlang weiterfuhren.
Leider wurde der schöne Eindruck am See schnell getrübt. Entlang des Ufers entstanden riesige Jurtenanlagen, Resorts und touristische Ferienorte. Teilweise wurden sogar Strände künstlich aufgeschüttet und mit Palmen gestaltet. Für uns passte das überhaupt nicht zu der ursprünglichen Landschaft.
Auch die Straße war eine einzige Baustelle. Über weite Strecken bauten chinesische Firmen neue Straßen und Highways. Wir kämpften uns durch dichten Verkehr, Staub und Schlaglöcher, während Lastwagen und Autos oft gefährlich knapp an uns vorbeirasten. Zwar gab es zwischendurch auch Daumen nach oben und sogar Applaus, doch insgesamt war dieser Abschnitt mit dem Fahrrad ziemlich unangenehm.
Dabei zeigte sich immer wieder, wie wunderschön die Gegend eigentlich sein könnte. Als wir endlich von der Hauptstraße abbiegen können ging es uns über einen steilen Schotterweg in die Berge. Schon nach wenigen Minuten waren Lärm, Baustellen und Verkehr verschwunden. Plötzlich waren wir wieder ganz allein, umgeben von grünen Wiesen und wilden Pferden. Männer galoppierten über die Hänge und trieben ihre Herden zusammen, eine Szene wie aus einem Film!
Eines Abends fanden wir einen traumhaften Schlafplatz direkt am Wasser. Hinter ein paar Büschen versteckte sich ein kleiner Strand, an dem wir ganz für uns waren. Nach dem stressigen Tag fühlte sich dieser Ort wie ein kleines Paradies an.
Doch in der Nacht schlug die Stimmung plötzlich um. Ein heftiges Gewitter zog auf und der Wind wurde so stark, dass sich unsere Zeltstangen bedenklich in alle Richtungen bogen. Im Dunkeln versuchten wir, das Zelt von innen zu stützen, während die Außenplane beinahe davonflog. Uns blieb nur zu hoffen, dass alles hielt und der Sturm bald nachließ.
Krank auf dem Fahrrad
Nach mehreren anstrengenden Tagen am See hatte es uns beide richtig erwischt. Nora hatte Fieber und ein Sandkorn im Auge machte ihr zusätzlich zu schaffen. Simon kämpfte mit Zahnschmerzen und Druck über dem linken Auge. Zum ersten Mal auf unserer Reise waren wir beide richtig krank und ziemlich erledigt.
Also beschlossen wir, einen Tag am See zu bleiben und uns auszuruhen. Wir füllten bei Einheimischen unsere Wasservorräte auf, bekamen frische Äpfel aus dem Garten und versuchten, wieder zu Kräften zu kommen. Ein paar der Äpfel, die wir am Vortag geschenkt bekommen hatten, gaben wir an andere Camper mit Jeeps und Dachzelten weiter. Der freundliche Herr hatte es mit seiner Apfelmenge wohl etwas zu gut gemeint!
Am nächsten Tag waren wir zwar noch lange nicht fit, beschlossen aber trotzdem, langsam weiterzufahren. Etwa 60 Kilometer legten wir zurück, ohne unterwegs viel miteinander zu sprechen. Manchmal sitzt man einfach nebeneinander auf dem Fahrrad und tritt in die Pedale, ohne viele Worte zu brauchen.
Die Landschaft blieb wunderschön, doch unsere Kräfte waren begrenzt. Umso erleichterter waren wir, als wir am Abend einen Platz für unser Zelt fanden und endlich wieder zur Ruhe kommen konnten.
Drei Tage Baustelle – und dann endlich wieder Freiheit
Die nächsten Tage wurden leider nicht besser. Wir fuhren weiter an der Baustelle entlang, während Autos und Lastwagen uns einstaubten und teilweise gefährlich knapp überholten. Stundenlang sahen wir kaum etwas anderes als Verkehr, Baustellen und schlechte Straßen.
Wir hörten, dass die Bauarbeiten noch länger dauern sollten und in den Bergen außerdem ein großes Resort entstehen sollte. Das war schwer mitanzusehen. Der Issyk-Kul-See und die umliegenden Berge haben so viel landschaftliches Potenzial, doch die touristische Entwicklung schien vieles davon zu überdecken.
Schließlich bogen wir wieder in die Berge ab. Noch einmal ging es steil über Schotter hinauf, doch diesmal störte uns das kaum. Wir waren einfach froh, dem Verkehr zu entkommen.
Auf der anderen Seite erreichten wir eine deutlich ruhigere, hervorragend asphaltierte Straße. Plötzlich konnten wir wieder entspannt fahren. Kleine Hundewelpen begrüßten uns am Straßenrand und wir mussten nicht mehr ständig auf Lastwagen achten.
Am Abend war es kalt und windig. Wir packten unsere Daunenjacken aus, kauften in einem kleinen Laden zwei große Bier und tranken sie an unserem Schlafplatz neben der Straße. Eingemummelt in unsere Campingstühle philosophierten wir über Gott und die Welt und darüber, wie verrückt es eigentlich ist, dass wir unseren Traum leben und mit dem Fahrrad durch so viele Länder reisen.
Jetzt freuen wir uns auf Kasachstan und China und können kaum glauben, wie weit wir mit unseren Fahrrädern schon aus eigener Kraft gekommen sind.
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