Bikepacking mountains Montenegro

Montenegro

Zwischen rauer Natur und unerwarteter Gastfreundschaft

Der Grenzübertritt nach Montenegro war überraschend unspektakulär. Eine kleine, heruntergekommene Holzbrücke irgendwo im Nirgendwo markierte den Übergang. Und trotzdem saß auch hier ein Officer in seinem Häuschen, kontrollierte unsere Pässe und setzte den Stempel für die Weiterreise.

Direkt danach standen wir vor der ersten Entscheidung. Entweder über den Sedlopass mit bis zu etwa 1.900 Höhenmetern oder die Route entlang der Schlucht am Piva Lake. Wegen der weiterhin kalten Nächte entschieden wir uns gegen den Pass. Eine Übernachtung auf dieser Höhe im Zelt wäre kaum vermeidbar gewesen, da die Strecke nicht an einem Tag machbar ist. Auch wenn wir kurz gezögert haben, wurden wir auf der alternativen Route mehr als entschädigt. Beeindruckende Schluchten, sehr gute Straßen und kaum Verkehr oder Menschen.

Bei der Suche nach einem Schlafplatz begegnete uns ein Hund, der sich ganz anders verhielt als gewohnt. Kein Bellen, kein Drohen. Er lief einfach neben uns her. Nach kurzer Zeit war klar, dass er uns begleiten würde, und tatsächlich führte er uns direkt zu unserem Schlafplatz. Dort wurde er zu unserem treuen Wächter. Er bellte alles an, was sich näherte, und blieb die ganze Nacht bei uns. Entsprechend unruhig war unser Schlaf, aber gleichzeitig auch beruhigend. Am nächsten Morgen saß er wieder bei uns, als gehöre er dazu, und lief sogar noch ein Stück mit. Da wir nicht wussten, ob er irgendwo hingehört, entschieden wir uns schweren Herzens, ihn nach etwa 350 Höhenmetern abzuhängen. Als er merkte, dass wir schneller wurden, rannte er mit vollem Einsatz hinter uns her. 

Am Abend fanden wir einen ruhigen Platz direkt an einem See. Am nächsten Morgen wurden wir von zwei Anglern geweckt. Während wir Kaffee kochten und die Sonne genossen, bot Simon ihnen ebenfalls einen an. Sie lehnten freundlich ab, hielten ihm stattdessen aber ihren Flachmann hin. So begann der Tag gegen 8.30 Uhr mit einem Schnaps und dem Angebot von Zigaretten.

Die nächste Etappe hatte es in sich. Ein steiler, stark verblockter Gravelweg, der stellenweise kaum fahrbar oder schiebbar war. Anfangs eher frustrierend, wurde der Weg mit jeder Kurve besser. Dann entdeckten wir unsere erste Hornotter. Ein Moment, auf den wir insgeheim gewartet hatten.

Unser Schlafplatz an diesem Tag bot eine außergewöhnlich schöne Aussicht auf den Fjord von Montenegro. Am Abend bekamen wir Gesellschaft von Luca und Tobias und ließen den Tag gemeinsam bei einem Bier ausklingen.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Kotor. Die Altstadt war uns jedoch schnell zu hektisch und zu touristisch, sodass wir uns entschieden, direkt wieder in die Höhe zu fahren. Dort stellte sich die Schlafplatzsuche aufgrund der steilen Hänge als schwierig heraus. Schließlich fragten wir eine Frau, ob wir in ihrem Garten übernachten dürften. Die Verständigung war zunächst schwierig, bis ein Bekannter dazukam und übersetzen konnte. Was folgte, war eine besondere Begegnung. Tee, Kaffee und selbst gebrannter Raki im Keller, eine kleine Führung und am Ende sogar eine Flasche als Geschenk. Vielen Dank an Vesna, Milan und Nicola für diese Gastfreundschaft.

Am nächsten Tag erreichten wir Podgorica, um unsere Ausrüstung aufzufrischen. Neben Bremsbelägen und Handschuhen stellte sich beim kurzen Check im Radladen heraus, dass Simons Kette komplett verschlissen war. Also gab es kurzerhand auch eine neue. Das war dringend nötig.

Nach dem anstrengenden Tag in der Stadt kühlten wir uns noch an ein paar Wasserfällen ab und rollten am Abend bei einem besonders schönen Sonnenuntergang weiter Richtung albanische Grenze.

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